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Baden, Wasser und Hygiene sind leider nicht Standard ... (Quelle: UNO)


Sanitäranlagen sind die Grundlage für Entwicklung und Fortschritt - doch für die Hälfte der Weltbevölkerung sind bescheidene Toiletteanlagen oder selbst einfachste Latrinen ein unbekannter Luxus. Der Prozentsatz jener Menschen, die über sanitäre Anlagen verfügen, hat sich seit 1990 verringert. Der Grund: das große Bevölkerungswachstum. Das Ergebnis dieser Entwicklung läßt sich in einem - todbringenden - Wort zusammenfassen: Diarrhöe.

spacer.gif (52 Byte) Fast drei Milliarden Menschen leben ohne Sanitäranlagen. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist aber eine Notwendigkeit für die Entwicklung eines Landes: Wenn mittelalterliche Zustände im Bereich der Wasserversorgung und sanitären Einrichtungen herrschen, dann entstehen auch in Bezug auf Krankheiten und Seuchen mittelalterliche Zustände und verhindern die Entwicklung eines Landes. Die Seuchen, die sich dadurch ausbreiten, reichen von Lungenentzündung, über Cholera und Tuberkulose bis hin zur Pest. Solche Seuchen erregen viel Aufsehen, sind aber nicht das größte Problem. Die häufigste Todesursache für Kinder hat einen einfachen Namen: Diarrhöe. 2,2 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Durchfallerkrankungen. Vor allem für Kinder in den Armutsregionen ist Diarrhöe eine folgenschwere Erkrankung für die weitere Entwicklung: die Kinder sind stark geschwächt und in ihrem Wachstum gehemmt. Dabei würde schon ein Prozent der jährlichen Rüstungsausgaben ausreichen, um diese Zustände zu beseitigen. Wenn man die Infrastruktur in diesen Ländern bedenkt, so ist es kein Wunder, daß Durchfallerkrankungen in den 90er-Jahren noch ein Problem sind.

Obwohl die Anzahl derer, die Zugang zu sanitären Einrichtungen und sauberem Trinkwasser haben, insgesamt gestiegen ist, haben heute auf Grund des starken Bevölkerungswachstums prozentuell immer weniger Menschen diese Möglichkeiten. Allein seit 1990 ist die Zahl jener Menschen, die über keine sanitären Anlagen verfügen, um 300 Millionen gestiegen. Viele große Städte haben keine Kanalisationsanlagen. In Ibadan (Nigeria), einer Stadt mit mehr als einer Million Einwohner, ist nur ein Prozent der Haushalte an das Abwassersystem angeschlossen. 1994 hatten drei Viertel der Weltbevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser, vier Jahre davor waren es nur 61%. Doch leider ist in dem gleichen Zeitraum der Prozentsatz derer, die über Sanitäranlagen verfügen, von 36% auf 34% gefallen.

spacer.gif (52 Byte)Diese Zahlen sollten einen Alarm auslösen. Denn wir sind weit davon entfernt, bis zum Ende des Jahrtausends jedem Menschen die einfachsten Lebensgrundlagen zu bieten. Der Preis der Armut Die Armen zahlen einen hohen Preis für ihre Armut; und es werden immer wieder neue Wege gefunden, ihnen auch noch das wenige abzupressen, das sie haben - zum Beispiel durch exorbitant hohe Benutzungsgebühren für öffentliche Latrinen. Bewohner ärmerer Bezirke zahlen oft 20% ihres Einkommens für Wasser von fragwürdiger Qualität, während ihre Nachbarn in reicheren, etablierten Gegenden sauberes Wasser von der Regierung zur Verfügung gestellt bekommen. Dazu kommen noch Ausgaben für die Behandlung von Krankheiten: Nach einer Studie, die in Karachi durchgeführt wurde, haben die Einwohner von Gebieten ohne Kanalisationssysteme und Wasserversorgung bis zu sechs Mal höhere Ausgaben für die Behandlung von Krankheiten als Menschen, die mit Hygienemaßnahmen vertraut sind und auch über die dafür notwendigen Einrichtungen verfügen.

Das Problem ist, daß der politische Wille zu teuren Ausgaben in den Städten oft fehlt. Zusätzlich werden die Existenz der Randgebiete und Slums ungern zur Kenntnis genommen, und die Konsequenzen des "Nichthandelns" oft nicht gesehen. Bis jetzt haben Regierungen in Afrika, Asien und Lateinamerika in dieser Dekade ungefähr 2,1 Milliarden US Dollar pro Jahr für Wasser- und Abwassereinrichtungen in ländlichen und unterentwickelten Stadtgebieten ausgegeben. Die Kosten für eine flächendeckende Versorgung würden aber nach einer Berechnung aus dem Jahre 1994 ca. 6,8 Milliarden US$ pro Jahr betragen. Die Aufrechterhaltung solcher Systeme würde diese Zahl um weitere 5-20% erhöhen. Eine Rechnung von 68 Milliarden US Dollar über zehn Jahre mag vielleicht hoch klingen, ist aber nicht mehr ganz so schlimm, wenn man bedenkt, daß es nur einem Prozent der militärischen Ausgaben entspricht.

spacer.gif (52 Byte)Die Kosten würden auch allein durch effizienteren Umgang mit den zur Verfügung stehenden Einrichtungen und Ressourcen sinken: 30-60% des Wassers kommen nie dort an, wo sie hin sollen, da die Leitungen undicht sind und illegal angezapft werden. Das kostet allein in den Ländern Lateinamerikas rund 1 bis 1,5 Milliarden US$ jedes Jahr - genau der Betrag, der jährlich notwendig wäre, um allen in der Region lebenden Menschen Wasser- und Abwasserversorgung bis zum Jahr 2000 zu bieten. Wenn die Bewohner die Problemlösung selbst in die Hand nehmen, können viele bürokratische Hürden bewältigt werden In Karachi hat die Stadtverwaltung in den Siebziger Jahren einen wichtigen Schritt getan: Sie hat akzeptiert, daß die Bewohner in den illegal entstandenen Slums an den Randgebieten der Stadt bleiben werden. Das war deswegen so wichtig, weil ihnen dadurch die Möglichkeit gegeben wurde, Grundbesitz zu erwerben. Durch das Gefühl einer gewissen Beständigkeit waren sie auch eher bereit, in Verbesserungen zu investieren.

Die Stadtverwaltung legte zwar Wasserleitungen, jedoch keine Kanalisation in diese Gebiete. So wurde 1980 das Orangi Pilot Project zur Unterstützung der Menschen in den Randgebieten gegründet. Orangi ist die Heimat von ca. einer Million Arbeitern, Geschäftsinhabern und Büroangestellten mit ihren Familien. Diese Familien verfügen über ein Einkommen von ungefähr 1.000 Rupien, das sind ca. 300 Dollar im Monat. Im Rahmen dieses Orangi Pilot Projektes bekamen die Bewohner eine Chance, selbst aktiv zu werden und ihre dringendsten Bedürfnisse zu verwirklichen, die von der Stadtverwaltung ignoriert wurden. 17 Jahre später hat fast jedes Haus in Orangi eine Toilette mit Wasserspülung, die an das Kanalsystem angeschlossen ist.

spacer.gif (52 Byte)Das Orangi Pilot Project half mit technischem Rat und bei der Vereinfachung der Planung, wodurch die Kosten um ein Zehntel verringert werden konnten. Finanzielle Hilfe wurde von der Organisation nicht geleistet, die Finanzierung erfolgte durch die Beiträge der Familien in Orangi - jede Familie gab im Durchschnitt ein Monatseinkommen für Material und Arbeit aus. Im Zuge der hygienischen Verbesserungen entstanden eine ganze Reihe von begleitenden Einrichtungen, die jetzt den Familien - gegen einen finanziellen Beitrag - zur Verfügung stehen:

  • Kurse für Mütter über Hygiene und vorbeugende Maßnahmen gegen Krankheiten

  • Diskussionsgruppen über Familienplanung (die zur Folge haben, daß jetzt mehr als die Hälfte der Frauen die Geburtstermine ihrer Kinder planen - im Vergleich zu nur 7% in anderen Gemeinden
  • )
  • Private Schulen, die besser sind als die öffentlichen und dadurch auch lieber in Anspruch genommen werden

  • Gehaltsfonds für Kleinbetriebe, die in jeder Straße gedeihe
  • Die Menschen sind dadurch, daß sie ihre grundlegendsten Probleme gelöst haben, stärker geworden. Dieses Projekt zeigt, daß strukturelle Basisdienste wie Wasserleitungen und Abwassersysteme der Grundstein für die Entwicklung einer Gemeinschaft sind, da so nicht ein Großteil des vorhandenen Geldes in die Behandlung von Krankheiten fließen muß. Durch diese große gemeinsame Anstrengung wurden die Hürden der Bürokratie aus dem Weg geräumt. Solche Hindernisse sollten aber gar nicht existieren! Vielleicht wird es in der Zukunft gelingen, durch den Druck der Bürger und der Staatengemeinschaft, den Regierungen klarzumachen, daß sie die Augen vor diesen fundamentalen Bedürfnissen der Menschen nicht verschließen dürfen.

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